Eröffnung der Restauratorenwerkstatt

Michaelportal eingerüstet, Dombauhütte Köln

Das vergangene Jahr war für den Kölner Dom ein ereignisreiches. Ein zentrales Etappenziel ist mit der Eröffnung der neuen Restaurierungswerkstatt der Kölner Dombauhütte nun erreicht. Bereits bei der Mitgliederversammlung des Zentral-Dombau-Vereins am 14. November 2012 hatte Dombaumeister Dr. Michael Hauck M. A. das neue Patenschaftsprogramm vorgestellt, mit dessen Hilfe die Sanierung der Domportale nachhaltig finanziert werden soll. In den vergangenen Monaten konnten durch den Zentral-Dombau-Verein zahlreiche Paten für die Restaurierung der Portalfiguren gewonnen werden. Ohne ihr großes Engagement wäre die auf etwa 20 Jahre angelegte, dringend notwendige Sanierung der Domportale auf längere Sicht nicht zu finanzieren gewesen. Ihnen an erster Stelle gebührt unser aufrichtiger Dank.

Nach einer Ausschreibung im Frühjahr 2013 wurden unter einer Vielzahl von Bewerbern drei junge Steinrestauratoren ausgewählt, die am 1. Juni bzw. 1. August 2013 ihre Stelle in der Dombauhütte antraten. Bei der Auswahl der Restauratoren wurde darauf geachtet, dass Sie sich aufgrund ihrer unterschiedlichen Ausbildungswege und Spezialisierungen optimal ergänzen. Dipl.-Rest. Sophie Hoepner hat einen Schwerpunkt im Bereich Vermessung und Monitoring, Dipl.-Rest. Sven Eversberg, der zusätzlich eine Ausbildung als Malermeister und Restaurator im Handwerk absolviert hat, ist ein Spezialist für Fassung und Oberflächenbehandlung, Jasper Völkert M. A., der zugleich Steinmetzmeister und Restaurator im Handwerk ist, hat sich u. a. auf Mörtel spezialisiert.

Ein zweiter wichtiger Punkt war die Einrichtung der Werkstatt. Hier ist in erster Linie dem Erzbischöflichen Ordinariat für die Überlassung der ehemaligen Räumlichkeiten des Diözesanmuseums zu danken. In den vergangenen Wochen wurden diese durch die Mitarbeiter der Dombauhütte her- und eingerichtet. Für die oberflächenschonende Reinigung der Skulpturen aus Kalkstein wurden eigens zwei Laser-Reinigungsgeräte angeschafft, so dass nun mit der Restaurierung begonnen werden kann.

Bereits im Vorfeld konnten viele vorbereitende Maßnahmen zur Restaurierung des Michaelportales durchgeführt werden. Zur Dokumentation wurden durch die Salzburger Firma Linsinger mit Hilfe eines 3D-Scanners exakte und detailgenaue Aufmaße der Nordquerhausportale angefertigt. Zudem wurden hochauflösende Bilder erstellt. Um die Dokumentation der Arbeiten der Kölner Dombauhütte im Allgemeinen zu optimieren wurden im vergangenen Jahr mit Jenny Rumbach und Mira Unkelbach auch zwei Fotografinnen angestellt, deren Atelier ebenfalls in den neuen Räumlichkeiten eingerichtet wurde.

Zusammen mit der Firma Linsinger soll auch die bildhauerische Ergänzung von beschädigten Skulpturen unter größtmöglichem Substanzerhalt mit Hilfe von 3D-Scans optimiert werden. Durch den Vergleich von Modell und Original kann die Fehlstelle in einer Punktwolke virtuell exakt berechnet werden. Die Erstellung eines Modells als Vorlage für die Bildhauer erfolgt dann im 3D-Druckverfahren. Bisher musste an der Bruchstelle stets ein Teil der Originalsubstanz zerstört werden, um die Ergänzungen einzupassen.

Für die Erstellung von Kopien kriegszerstörter Skulpturen wurde die Bildhauerin Uta Tröger eingestellt, die bereits begonnen hat, ein 1:1 Modell der gänzlich verlorenen Figur des hl. Wendelin anhand des erhaltenen 1:2 Gipsmodells von 1880 zu modellieren. Die Wiederherstellung solcher kriegszerstörten Bereiche des Portals wird mit Mitteln aus dem Nachlass von Mrs Berta Woodward aus England finanziert, die der Kölner Dom im vergangenen Jahr über die Deutsche Stiftung Denkmalschutz erhalten hatte.

Nicht nur in der Zusammenarbeit von Restauratoren und Bildhauern ergeben sich durch die neue Restaurierungswerkstatt Synergieeffekte, sondern auch in anderen Bereichen. So wurde in der Werkstatt auch ein Arbeitsplatz für die Kunsthistorikerin und Steinmetzin Dr. Dorothea Hochkirchen eingerichtet, die als freie Mitarbeiterin mit der Inventarisierung von steinernen Grabungsfunden beschäftigt ist. In konservatorischen Fragen oder etwa in Zusammenhang mit Fassungsresten kann sie sich direkt mit den Fachleuten beraten.

Abgesehen von der Portalsanierung profitiert der Dombau in vielen Bereichen von der neuen Werkstatt der Restauratoren. Ihr Fachwissen und ihre Tätigkeit sind bei den vielfältigen Aufgaben am Dom und seiner Ausstattung dringend gefragt. So werden sie hinzugezogen bei der Sanierung der mittelalterlichen Trachytbereiche des Chores und des Südturmes, bei der Wiederaufstellung der Rückwand des Dreikönigenmausoleums im Rahmen der Ausstellung zum 850jährigen Jubiläum der Ankunft der Dreikönigenreliquien in Köln im kommenden Jahr oder bei der Suche nach geeigneteren Mörteln für die Arbeiten am Kölner Dom.

Matthias Deml, Dombauverwaltung

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