Abbau Hängegerüst Nordturm

Filme von Michael Weber / Blueline Studio Cologne:

Gerüstabbau auf YouTube Teil 1
Gerüstabbau auf YouTube Teil 2

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Pressetext Dombauhütte:

Am Montag, den 22. Juli 2013, wird das etwa 25 Meter hohe Hängegerüst an der Südostecke des Nordturmes mit einem gewaltigen Hydraulikkran der Firma Wasel GmbH Schwerlastlogistik Turmdrehkrane abgenommen. Es handelt sich um den größten Kraneinsatz in der Geschichte des Dombaues. Da die Domplatte mit schweren Baufahrzeugen nicht zu befahren ist, wird der Kran am Bahnhofsvorplatz aufgebaut. Dies geschieht bereits in der Nacht von Sonntag auf Montag. Auf Grund der Kranarbeiten kommt es am Montag je nach Bedarf zu Teilsperrungen der Verkehrswege Trankgasse, Bahnhofsvorplatz und Domplatte.

Dem Kraneinsatz sind in den vergangenen Wochen eine umfassende logistische Planung und der Rückbau des Hängegerüstes durch die Gerüstbauer der Kölner Dombauhütte vorrausgegangen. Inzwischen ist das aus leichten Aluminium-Elementen zusammengesetzte Gerüst bis auf die beiden großen seitlichen Gerüstpfeiler und die obere Plattform vollständig entkernt. Diese haben zusammen noch immer ein Gewicht von etwa zehn Tonnen. Da deren Abbau vor Ort einen unverhältnismäßig hohen zeitlichen und finanziellen Aufwand bedeuten würde, hat die Leitung der Dombauhütte entschieden, diesen Teil des Gerüstes in drei Stücken vom Turm herabnehmen zu lassen. Anschließend wird das Gerüst auf den Roncalliplatz transportiert und dort von den Mitarbeitern der Dombauhütte in seine Einzelteile zerlegt. Auf ähnliche Weise war bereits im August 2006 das erste Hängegerüst an der Südwestecke des Nordturmes mit Hilfe eines Spezialkrans abgenommen worden. Der Aufwand war hier allerdings aufgrund des Anbringungsortes an der Fassade des Domes deutlich geringer.

Da das Hängegerüst von der Nordseite her, am Turm vorbei über die nördlichen Seitenschiffdächer hinweg abgenommen werden muss und zudem auch ein starker Geländeunterschied zwischen dem Bahnhofsvorplatz und der Domplatte besteht, ist der Einsatz eines gigantischen Kranes erforderlich. Der Liebherr 750 Tonnen Hydraulikkran der Firma Wasel hat in Fahrstellung eine Länge von 22 Metern. Aufgebaut mit 204 Tonnen Gegengewicht, 49,1 Metern Hydraulikausleger, 19 Metern Auslegerverlängerung, Mastabspannung und 91 Metern Wippe wird er das Turmgerüst aus einer Entfernung von etwa 100 Metern und in einer Höhe von über 100 Metern vom Nordturm abnehmen. Die Gesamtmasthöhe beträgt 160 Meter.

Bei dem Gerüst handelt es sich um das zweite von insgesamt acht für die Sanierung der beiden Domtürme notwendigen Hängegerüsten. Auslöser für den Beginn der Sanierungsarbeiten war ein Steinschlag, der sich während eines schweren Sturmes am 24. November 1984 ereignete. Damals war ein 3,25 Meter hohes Element einer Nordturm-Fiale aus etwa 100 Metern Höhe abgestürzt und hatte schwere Schäden an den Seitenschiffdächern verursacht. Anschließende Untersuchungen kamen zu dem Ergebnis, dass die Schadensursache in der Verwendung von Messing- und Eisenarmierungen während des Vollendungsbaues der Türme in den 1870er Jahren lag. Während die Messing-Elemente oft gebrochen sind, führt die Oxidation des Eisens zu Rostsprengungen, die den ansonsten hervorragend erhaltenen Obernkirchener Sandstein zerstören. Die fraglichen Armierungen finden sich an den Fialaufbauten beider Türme ausschließlich in einem Bereich zwischen 80 und 100 Metern Höhe. Teilweise wurden hier bereits tonnenschwere Fialaufbauten durch den Rost um mehre Millimeter angehoben. Die Versetzsteinmetzen der Dombauhütte müssen daher alle Anker und Dübel aus Messing und Eisen ausbauen und durch neue, nicht rostende Elemente aus Edelstahl ersetzen. In den tieferliegenden Turmabschnitten waren im 19. Jahrhundert Kupferdübel und -verankerungen verwendet worden, die sich bis heute bestens erhalten haben.

Daneben bedürfen auch die 32 monumentalen Engelfiguren, welche die beiden Domtürme auf einer Höhe von etwa 75 Metern umstehen, einer Restaurierung. In den 1870er Jahren aus Kalkstein aus der Nähe von Caen gefertigt, zeigen sie inzwischen bedenkliche Verwitterungsspuren, so dass kleinere Fragmente der vorstehenden Figurenteile wie Flügel, Hände und Attribute bei Stürmen in den vergangenen Jahren bereits abgebrochen sind. Die Figuren müssen daher eingehend untersucht, gefestigt und gegen weitere Verwitterung geschützt werden. Im Rahmen der Sanierungsarbeiten werden auch ausgewaschene Fugen im Mauerwerk geschlossen und Kriegsschäden beseitigt.

Mit dem Bau des ersten Hängegerüstes am Nordturm war 1996 begonnen worden. Es hing bis 2006 an der Südwestecke des Turmes. Das zweite Gerüst, das nun abgenommen wird, entstand ab Frühjahr 2002. Ab März 2011 erfolgte der Aufbau des inzwischen dritten Hängegerüstes an der Nordwestecke des Turmes. Hier beginnen die Steinmetzen der Dombauhütte im kommenden Jahr mit den Sanierungsarbeiten.

Matthias Deml

 

 

 

 



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