Glückspiel für den Dom

Glücksspiel für den Dom!

Den Dom in seiner gotischen Pracht zu erhalten, ist eine wichtige Aufgabe, die viel Einsatz erfordert. Und vor allem Geld: jährlich rund 7 Millionen Euro. Einen großen Anteil an der Finanzierung der Instandhaltung haben Lotteriemittel – und das bereits seit 150 Jahren.

Königliche Kabinettsorder – Startschuss für die „Prämien Collecte“

Eine Lotterie für den Dombau zu Köln – diese Idee hatte der Bonner Kirchenrechtler Ferdinand Walter bereits im Jahr 1851, fand jedoch keine Mehrheit innerhalb des ZDV. Erst 1864 konnte sich der Vorschlag für eine Lotterie durchsetzen: Der preußische Staat hatte die „Prämien-Collecte“ durch königliche Kabinettsorder genehmigt; der Präsident des ZDV gab am 14. Juni des Jahres 1864 die Einführung der „Dombau-Lotterie“ bekannt. Die zusätzlichen Einnahmen aus der Lotterie sollten zunächst der kostenintensiven Vollendung der Westfassade und der Türme des Kölner Doms zu Gute kommen. Bereits die erste Ziehung am 4. September 1865 war ein voller Erfolg. Fortan hieß es: Glücksspiel für den Dom! Von 1864 bis 1880 war es dem ZDV möglich, durchschnittlich 76,5 Prozent der Gesamtkosten für die Vollendung der Türme bereitzustellen. Die „Dombau-Lotterie“ war zu einer der entscheidenden Finanzierungsquellen der Domvollendung geworden.

Soziallotterie: 326.982 Lose für den Dombau

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde eine sogenannte „Soziallotterie“ eingerichtet. Ihre Erlöse kamen – neben dem Kölner Dombau – auch den Dombauvereinen der Kathedralen Xanten, Wesel, Minden und Essen zu Gute. Die Lotterie, deren erste Ziehung im Dezember 1948 stattfand, wurde anfangs in Nordrhein-Westfalen und den meisten anderen Ländern der drei Westzonen veranstaltet.

Nordwestlotto, die spätere Westdeutsche Lotterie (kurz: WestLotto), stellte seine Vertriebsorganisation für den Absatz von Losen der Soziallotterien zur Verfügung. Im Jahr 1964 sind Erträge für den Kölner Dombau erstmals explizit im Geschäftsbericht von Nordwestlotto aufgeführt. In jenem Jahr setzte das Unternehmen 326.982 Lose und 163.491 Deutsche Mark für den Kölner Dombau um. Der Umsatz der Soziallotterien konnte in den Folgejahren noch gesteigert werden.

„Spiel 77“ soll Erträge verdoppeln

Die von WestLotto entwickelte Lotterie „Spiel 77“ löste zum 1. Januar 1975 die Soziallotterien in Nordrhein-Westfalen ab. Hintergrund der neuen Lotterie war, dass die sogenannte Olympia-Lotterie, auch als Olympia-Groschen bekannt, im Sommer 1974 auslief. Mit der neuen Lotterie „Spiel 77“ konnten der ZDV in Köln sowie die Dombauvereine Essen, Wesel, Xanten und Minden mehr als das Fünffache ihrer bisherigen Erträge einnehmen. Zu den späteren Partnern, die aus Erträgen des „Spiel 77“ Gelder erhielten, gehörten noch die Dombauvereine in Aachen und Soest. Erst mit der Einführung dieser neuen Lotterie gab der ZDV sein Recht auf, selbstständig landesweite Lotterien – sogenannte Straßenlotterien – durchzuführen.

WestLotto und der Dombau

WestLotto setzt die Tradition der Finanzierung des Dombaus durch Glücksspieleinnahmen in verantwortlicher Weise bis heute fort: Seit nunmehr 50 Jahren unterstützt das Unternehmen mit den Geldern aus seinen Glückspielprodukten Kirchen in NRW. Mehr als 75 Millionen Euro hat WestLotto in diesem Zeitraum an die Dombauvereine überwiesen. Der ZDV zählt dabei zu den „ältesten“ Destinatären des Unternehmens. Er empfängt – mit etwa anderthalb Millionen Euro jährlich – auch den größten Mittelanteil unter den Dombauvereinen. „Kunst und Kultur brauchen jemanden, der sie fördert. Denn sie haben einen Wert für die Gesellschaft, der sich nicht beziffern lässt“ – so WestLotto-Geschäftsführer Theo Goßner über die Motivation zur Unterstützung der Dombauvereine in NRW.

Heute erhalten die Dombauvereine ihre finanzielle Unterstützung nicht mehr unmittelbar aus der Lotterie „Spiel 77“: WestLotto entrichtet inzwischen jedes Jahr Abgaben direkt an das Land NRW, welches die Gelder an die Dombauvereine weiterverteilt. Neben den Dombauvereinen erhalten zahlreiche weitere gemeinnützige Organisationen aus den Bereichen Wohlfahrt, Sport, Kultur, Umwelt- und Denkmalschutz finanzielle Mittel aus WestLotto-Abgaben – allein im Jahr 2011 mehr als 644 Millionen Euro.

 

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