Domblatt 2016

Pünktlich vor Weihnachten ist im Verlag Kölner Dom die 81. Folge des Kölner Domblattes ‒ das wissenschaftliche Jahrbuch des Zentral-Dombau-Vereins (ZDV) ‒ erschienen. Da der ZDV im kommenden Jahr sein 175-jähriges Bestehen feiert, steht das Domblatt in diesem Jahr ganz im Zeichen des Jubiläums. So wird in fünf Aufsätzen die Geschichte des Dombauvereins unter verschiedenen Gesichtspunkten beleuchtet. Am Ende des Jahrbuches stehen der Dombaubericht 2015/16 sowie die zahlreichen Berichte zur Tätigkeit des ZDV sowie zu Ereignissen und Jubiläen am Kölner Dom und in der Kölner Dombauhütte.

Am Anfang des Domblattes stehen ein Grußwort zum Vereinsjubiläum vom 13. Präsidenten des Vereines Michael H. G. Hoffmann und eine Liste aller bisherigen Vereinspräsidenten und Sekretäre. Es folgt ein Beitrag von Dr. Kathrin Pilger zur Entwicklungsgeschichte des Vereines von seiner Gründung 1842 bis zu Domvollendung im Jahr 1880.

Der katholische Publizist Joseph von Görres gehört zu den entscheidenden Stimmen des frühen 19. Jahrhunderts, die zur Vollendung des Kölner Domes aufgerufen haben. Zur Grundsteinlegung 1842 war er nicht eingeladen, da er aus politischen Gründen als »persona non grata« galt. Der Leiter der Kölner Karl Rahner Akademie Dr. Bernd Wacker geht in seinem Aufsatz dem ambivalenten und wechselvollen Verhältnis zwischen dem ZDV und der Geistesgröße auf den Grund.

Bei den sieben großen Dombaufesten des 19. Jahrhunderts, welche die Domvollendung zwischen 1842 und 1880 begleiteten, wurden prachtvolle, zumeist künstlerisch aufwendig gestaltete Dombauurkunden erstellt, die von den anwesenden Honoratioren unterzeichnet wurden. Der Kunsthistoriker Dr. Michael Puls unterzieht diese historisch wie künstlerisch hochinteressanten Dokumente erstmals einer eingehenden Untersuchung und stellt sie mit den jeweiligen Feierlichkeiten in Verbindung.

Der Musikhistoriker Christoph Müller-Oberhäuser M. A. geht der großen Bedeutung der Musik bei der Domvollendung nach. Zahlreiche Musiker und Gesangvereine, darunter Prominente wie Franz Liszt, gaben in den Jahrzehnten der Domvollendung teils ertragreiche Benefizkonzerte zu Gunsten des Domes. Eigens für den Dombau und den ZDV komponiertes Liedgut hatte eine identitätsstiftende Bedeutung, aber auch die erwähnten Dombaufeste wurden stets durch ein anspruchsvolles musikalisches Rahmenprogramm begleitet.

Die Leiterin der Graphischen Sammlung des Kölnischen Stadtmuseums Rita Wagner M. A. publiziert bisher weitgehend unbekannte Bildquellen zum historischen Festumzug anlässlich der Domvollendung 1880 aus den Beständen des Museums. Es handelt sich um Kostümentwürfe und historische Fotografien der Teilnehmer in ihren Kostümen. Die Bilder ermöglichen neue, teilweise auch amüsante Einblicke in die Hintergründe des Festumzuges.

Im Anschluss stellt Dombaumeister Dipl.-Ing. Peter Füssenich in seinem Dombaubericht die Arbeiten der Dombauhütte im vergangenen Berichtszeitraum vor. Wichtige Akzente waren unter anderem: der Abschluss des Innenausbaues des Baptisterium-Vorraumes, die Fortführung der Restaurierungsarbeiten am Michaelportal, am Steinwerk der mittelalterlichen Chorobergadenfenster, am Nordturm und an der Südquerhausfassade. In der Glaswerkstatt wurden die Konservierungsarbeiten an den mittelalterlichen Chorfenstern und die Wiederherstellung des Jesus-Sirach-Fensters fortgesetzt. Als außergewöhnliche Projekte sind die Erstellung eines musikalischen Fingerabdruckes der Domglocken und das 3-D-Scanning der Kathedrale hervorzuheben.

Matthias Deml, Dombauhütte

Dombaubericht 2016

Bisherige Domblätter