Domblatt 2014

von Minna Nieminen

Wie gewöhnlich steht am Beginn der ausführliche Dombaubericht, verfasst vom stellvertretenden Dombaumeister Peter Füssenich mit Unterstützung der Abteilungen der Kölner Dombauhütte. Von den vielfältigen im vergangenen Berichtszeitraum geleisteten Arbeiten und Aufgaben der Dombauhütte sind in diesem Jahr besonders hervorzuheben: die Vorbereitung der Dreikönigenausstellung in der Schatzkammer und der sog. Hubertuskapelle des Kölner Domes sowie die damit verbundene Wiederherstellung der Rückwand des barocken Dreikönigenmausoleums, der Abbau der Gerüste am Strebesystem H 8−H 9 nach 30-jähriger Standzeit, vorbereitende Arbeiten für die anstehende Sanierung der Südquerhausfassade sowie die Restaurierung des Michaelportales. Ferner konnte die Restaurierung und Teilrekonstruktion des Adam- und des Mirjamfensters abgeschlossen und die Außenschutzverglasung der Chorobergadenfenster fortgeführt werden.

Dem Dombaubericht folgt ein Aufsatz von Norbert Nussbaum über den sensationellen Fund zweier mittelalterlicher Planfragmente, die als Rückenmakulatur im Einband einer aus dem Zisterzienserkloster Altenberg stammenden Handschrift (heute Ms. B 51 der Universitäts- und Landesbibliothek Düsseldorf) wiederentdeckt wurden. Sie konnten vom Autor eindeutig den beiden oberen Geschossen des Südturmes zugewiesen werden und ermöglichen neue, aufschlussreiche Erkenntnisse zur Planungsgeschichte der Westfassade des Kölner Domes.

Ebenfalls mit bahnbrechenden neuen Erkenntnissen können Iris Schaefer und Caroline von Saint-George aufwarten, die am 20. und 21. Juni 2012 den Altar der Stadtpatrone von Stefan Lochner mithilfe einer digitalen Infrarotkamera aufgenommen haben und erstmals vollständige Infrarotreflektogramme der gesammten Innen- und Außenseiten des Altares herstellen konnten. Die auf diese Weise sichtbar gemachte Untermalung des Altares eröffnet für die Forschung völlig neue Erkenntnisse zum Herstellungsprozess dieses einmaligen, um 1442 entstandenen Altarretabels und zur Werkstatt Stefan Lochners. Sämtliche Infrarotreflektogramme und hochauflösende Farbfotografien des Altares werden parallel zum Erscheinen des Domblattes über die Website www.altar-der-stadtpatrone.de frei zugänglich gemacht.

Der Schwerpunkt der meisten weiteren Aufsätze liegt im Dreikönigenjahr 2014 auf Themengebieten, die sich mit den Heiligen Drei Königen und ihrer Verehrung im Kölner Dom auseinandersetzen. So beschäftigt sich Matthias Deml in einem Aufsatz mit dem mittelalterlichen Gittergehäuse, in dem der Dreikönigenschrein zwischen dem 14. und 17. Jahrhundert aufgestellt war. Dieses ist nicht nur durch Schrift- und Bildquellen gut dokumentiert, sondern es haben sich auch bis heute beträchtliche Reste der originalen Eisengitter erhalten. Es folgt ein Restaurierungsbericht von Sven Eversberg, Sophie Hoepner, Jasper Völkert und Tanja Pinkale zur Restaurierung und zum Wiederaufbau der Rückwand des barocken Dreikönigenmausoleums. Ein weiterer Aufsatz von Matthias Deml stellt die Kupferstiche in Hermann Crombachs 1654 erschienenen Buch ›Primitiae gentium‹, einem der umfangreichsten Werke zur Geschichte der Heiligen Drei Könige und ihrer Reliquien, vor. Joachim Oepen zeichnet schließlich in seinem Aufsatz zur Feier des Translationsjubiläums im Jahr 1864 ein anschauliches Bild der Feierlichkeiten vor 150 Jahren und beleuchtet dabei u. a. die zunehmende Bedeutung der Eisenbahn im 19. Jahrhundert gerade auch für das Pilgerwesen.

Der erste der beiden kleinen Beiträge stammt von Prälat Erich Läufer und gibt exegetische Hinweise zur Verehrung der Dreikönigsreliquien. Ihm folgt ein Beitrag von Marc Steinmann, der neue Argumente für eine Frühdatierung des Fassadenrisses F in die Waagschale wirft.

Es schließen sich die Berichte zur Tätigkeit des Zentral-Dombau-Vereins und zu weiteren Ereignissen rund um den Kölner Dom und die Dombauhütte an.

Das 344 Seiten starke Jahrbuch mit 159 Abbildungen ist zum Preis von 27,80 € im Buchhandel oder direkt über den Verlag Kölner Dom erhältlich.

Dombaubericht 2014

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