Domblatt 2015

von Holger Maier

Wie gewöhnlich steht am Beginn der Dombaubericht, verfasst vom stellvertretenden Dombaumeister Peter Füssenich. Von den zahlreichen im vergangenen Berichtszeitraum geleisteten Arbeiten und Aufgaben der Dombauhütte sind unter anderem hervorzuheben: der Beginn der Sanierungsarbeiten an der Südquerhausfassade und auf dem Hängegerüst am nordwestlichen Pfeiler des Nordturmes, der Aufbau der Gerüstplattform für die Restaurierung des Strebewerks im Winkel zwischen südlicher Langhauswand und Querhaus, die Restaurierung des mittelalterlichen Steinwerks an den Chorobergadenfenstern sowie die fortlaufenden Arbeiten am Michaelportal. In den Werkstätten der Steinmetzen wurden unter anderem zahlreiche Werkstücke für die Südquerhausfassade geschlagen und an den neuen Figurenbaldachinen für die Westfassade gearbeitet. In der Glaswerkstatt hat die Restaurierung des Chorobergadenfensters NV begonnen. Ferner wurde der Einbau der Schutzverglasungen vor den mittelalterlichen Fenstern sowie die Restaurierung und Teilrekonstruktion des Fensterzyklus' von Michael Welter für das Querhaus fortgeführt. Im Osten erhielt die Domkirche von der Stadt Köln im Rohbau fertiggestellte neue Depoträume für die Dombauhütte und einen Vorraum für das frühmittelalterliche Baptisterium. Dessen Innenausbau ist bereits weit fortgeschritten.

Dem Dombaubericht folgt ein Aufsatz von Ulrike Bergmann über eine Kölner Madonna des frühen 14. Jahrhunderts aus der Sammlung James Simon, die sich heute im Berliner Bode-Museum befindet. Die höchst qualitätvolle Skulptur zeigt auffällige Parallelen zur mittelalterlichen Chorausstattung des Domes, insbesondere zu einigen Skulpturen des Hochaltares. Ulrike Bergmann stellt in ihrem Beitrag das bisher wenig bekannte Bildwerk vor, zeigt die Ähnlichkeiten zur Domausstattung auf und führt mehrere Argumente an, die eine Herkunft der Skulptur aus dem Kölner Dom möglich erscheinen lassen.

Gleich zwei Aufsätze beschäftigen sich mit dem Altar der Stadtpatrone von Stefan Lochner. Sie nähern sich der Inkunabel der Kölner Malerei des Mittelalters aus unterschiedlichen Blickrichtungen. Roland Krischel entschlüsselt in seinem ausführlichen und kenntnisreichen Aufsatz die vielfältigen theologischen und ideologischen Bezüge im komplexen Bildprogramm des einzigartigen Retabels, das einst der Hauptaltar der Ratskapelle war. Vor allem die zahlreichen im Altar enthaltenen Anspielungen auf die Vorgeschichte der Kapelle als Synagoge der jüdischen Gemeinde weiß Krischel akribisch aufzuspüren. Dabei betrachtet er den Altar nicht als statisches Objekt, sondern bezieht auch kurzzeitig aufscheinende Bezüge einzelner Altartafeln zueinander mit ein, die sich während des Öffnungs- und Schließungsprozesses der Altarflügel ergeben.

Markus Juraschek-Eckstein beschäftigt sich hingegen mit der Rezeptionsgeschichte von Lochners Altar im frühen 19. Jahrhundert. So wertet er mehrere Beiträge zum Altar der Stadtpatrone, im 19. Jahrhundert zumeist als ›Dombild‹ bezeichnet, aus, die im von Ferdinand Franz Wallraf herausgegebenen ›Taschenbuch auf das Jahr 1816‹ erschienen und kontrastiert dies zum ausgeprägt geringen Interesse an mittelalterlicher Kölner Kunst in den von Wallraf vor 1815 herausgegebenen Jahrbüchern.

Falko Bornschein entschlüsselt in seinem Aufsatz, den er der wissenschaftlichen Leiterin der Glasrestaurierungswerkstatt der Kölner Dombauhütte Ulrike Brinkmann zu ihrem 65. Geburtstag gewidmet hat, die Ikonologie der mittelalterlichen Chorhauptverglasung des Erfurter Domes.

An die großen Beiträge schließt sich ein Restaurierungsbericht von Anna-Maja Lyko an. Sie hat im Rahmen ihrer Bachelorarbeit ein Paar frühbarocker Pontifikalhandschuhe aus einem Grab der Marienkapelle untersucht und anschließend restauriert. Es folgen wie in jedem Jahr die Berichte zur Tätigkeit des ZDV sowie zu Ereignissen und Jubiläen am Kölner Dom und in der Kölner Dombauhütte.

Matthias Deml, Dombauhütte

Dombaubericht 2015

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