Domblatt 2017

von Minna Nieminen

Pünktlich vor Weihnachten ist im Verlag Kölner Dom die 82. Folge des Kölner Domblattes, des Jahrbuches des Zentral-Dombau-Vereins, erschienen.

Wie gewöhnlich steht am Beginn des Jahrbuches der Dombaubericht von Dombaumeister Peter Füssenich. Von den zahlreichen im vergangenen Berichtzeitraum geleisteten Arbeiten und Aufgaben der Dombauhütte sind unter anderem hervorzuheben: die Restaurierungsarbeiten am Michaelportal und hier besonders die aufwändige Ergänzung von kriegszerstörten Skulpturen und Baldachinen, die Abnahme der verwitterten Engelskulpturen über dem Petersportal oder der Beginn der Restaurierungsarbeiten am spätmittelalterlichen Christusfenster.

Eine besondere Sensation war die Entfaltung der originalen Bayernfensterkartons in der Papierrestaurierungswerkstatt von Dirk Ferlmann. Bereits 1979 hatte man bei Aufräumarbeiten im Südturm des Domes ein nicht entfaltbares Konvolut aus versprödeter Leinwand und Papier entdeckt, durch Wasser geschädigt, verdreckt und pilzbesiedelt. Durch Anheben der oberen Lage konnte man erkennen, dass es sich um die auf Leinwand aufgebrachten originalen Fensterkartons der Hauptszene aus dem Pfingstfenster des Domes handeln musste. Die aquarellierten Zeichnungen im Maßstab 1:1 wurden ab 1844 von dem Oberstorfer Maler Joseph Anton Fischer geschaffen. Da an eine Restaurierung oder auch nur Entfaltung zu diesem Zeitpunkt nicht zu denken war, wurde der Fund nur provisorisch durch eine Holzkiste gesichert. Die Entfaltung in einer eigens angemieteten Halle brachte nicht nur die Originalkartons des Pfingstfensters, sondern auch der Hauptszenen des Anbetungs- und des Beweinungsfensters zum Vorschein. Auch zeigte sich, dass der Zustand der Kartons zwar sehr schlecht ist, aber weniger hoffnungslos als erwartet. Die Trägerleinwand wurde zerschnitten und die insgesamt 48 Kartons in Archivkisten verpackt, wo sie nun in trockenem Klima liegend gelagert werden können. Eine Restaurierung der Kartons ist geplant und soll über Patenschaften des ZDV finanziert werden. Die Entfaltung, Vorreinigung und die Proberestaurierung eines der Kartons wurde filmisch von Franz Lindinger dokumentiert. Der Film und nähere Informationen zu dem spektakulären Fund finden sich auf der Website: koelner-dom.de/bayernfenster 

Dem Dombaubericht folgt ein kurzer Grabungsbericht von Ulrich Back zu den im vergangenen Jahr durchgeführten Ausgrabungen im Bereich der nördlichen Seitenschiffe. Unter anderem konnte die bereits in früheren Publikationen angenommene Bauabfolge der Langhaus- und Turmpfeiler in diesem Bereich zweifelsfrei bestätigt werden. 

Der Aufsatz von Michael Burger zur ornamentalen Kathedralverglasung des Domes, widmet sich den nicht-figürlichen mittelalterlichen Glasfenster des Domes. Gerade die erste Chorkapellenverglasung ab den 1260er Jahren verzichtete mit Ausnahme des Achsfensters auf figürliche Darstellungen und auch in der um 1300 entstandenen Chorobergadenverglasung waren die Darstellungen auf das untere Drittel der Fenster reduziert. Die trotz ihrer hohen Qualität bisher kaum beachteten Ornamentfenster werden von Burger erstmals in ihrem Zusammenhang betrachtet. Dabei konnte er unter anderem auch nahelegen, dass sich, entgegen der bisherigen Annahme, zumindest eines der ursprünglichen Ornamentfenster der Chorkapellen in wesentlichen Teilen bis heute erhalten hat. Die frühere Forschung war davon ausgegangen, dass die betreffenden Scheiben erst im 19. Jahrhundert aus der Dominikanerkirche in den Dom gelangten. 

Einem nahezu unbekannten Aspekt der Dreikönigenverehrung geht Norbert King nach. Ausgehend von dem opulenten, 1654 erschienenen historiografischen Werk des Jesuitenpaters Hermann Crombach zu den Heiligen Drei Königen ruft er die heute nahezu vergessene Verehrung der Heiligen Drei Könige als frühchristliche Märtyrer in Erinnerung, die sie vor allem im 17. und 18. Jahrhundert genossen. Akribisch untersucht er die Argumentation Crombachs und betrachtet kritisch die von diesem angeführten Quellen.

Im Nachgang zum Jubiläumsjahr »175 Jahre ZDV« widmet sich schließlich der Direktor des Kölnischen Stadtmuseums Mario Kramp der abenteuerlichen Geschichte des Hilfsvereins in Mexiko – dem erfolgreichsten der ausländischen Hilfsvereine des ZDV. Anhand der im Dombauarchiv erhaltenen Vereinsakte geht er der wechselvollen Geschichte dieses Hilfsvereines nach, verknüpft sie mit der Landesgeschichte und stellt die Biographien der wichtigsten beteiligten Akteure dar. Es gelingt ihm dadurch ein facettenreiches Bild vom Leben deutscher Auswanderer in dem mittelamerikanischen Land zu zeichnen.

Die diesjährigen wissenschaftlichen Aufsätze werden durch einen kleinen Beitrag von Ernst Coester abgeschlossen, der sich der Rezeption der Domausstattung und Portalskulpturen in der rheinischen Kunst des 19. Jahrhunderts widmet.

Es folgen wie in jedem Jahr die Berichte zur Tätigkeit des ZDV sowie zu Ereignissen und Jubiläen am Kölner Dom und in der Kölner Dombauhütte. Das vergangene Jahr am Kölner Dom war besonders ereignisreich. Erinnert sei vor allem an den Tod und die Trauerfeierlichkeiten für Joachim Kardinal Meisner und Prälat Norbert Trippen, die Deutsche Bischofskonferenz und nicht zuletzt an die zahlreichen Aktionen im Rahmen des Jubiläumsjahres 175 Jahre ZDV. Hier sei vor allem an den Besuch des Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier erinnert.

Matthias Deml

Dombaubericht 2017  

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