Domblatt 2012

von Minna Nieminen

Jahrbuch des Zentral-Dombau-Vereins, Folge 77
480 Seiten, 354 Abbildungen, Paperback, fadengeheftet
ISBN 978-3-922442-80-6
32,00 €

Im Rahmen eines Festaktes im Maternushaus verabschiedete das Kölner Metropolitankapitel am 30. August 2012 Dombaumeisterin Prof. Dr. Barbara Schock-Werner in den Ruhestand. Zuvor hatte zu Ehren der scheidenden Dombaumeisterin ein zweitägiges wissenschaftliches Kolloquium zu den jüngst restaurierten Chorpfeilerfiguren des Domes stattgefunden. Die Beiträge des Kolloquiums sind in diesem Domblatt veröffentlicht, das Barbara Schock-Werner als Festschrift gewidmet ist.

Bei den Chorpfeilerfiguren handelt es sich um einen Zyklus von 14 überlebensgroßen Standfiguren aus Tuffstein, welche Christus, Maria und die zwölf Apostel darstellen. Da die Konsolen und Baldachine der Figuren zusammen mit den Pfeilern angelegt wurden, ist der Skulpturenschmuck bereits mit dem Bau der Pfeiler in den 1260er Jahren konzipiert worden und zählt damit nach dem Apostelzyklus in der Sainte-Chapelle in Paris zu den ältesten seiner Art. Wann die Skulpturen ausgeführt wurden, ist umstritten. Die Datierung schwankt zwischen 1270 und der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts. Bedeutend ist nicht zuletzt die farbige Fassung der Skulpturen. Die heute sichtbare entstand zwar erst im 19. Jahrhundert, kopiert aber mit äußerster Genauigkeit die Muster der mittelalterlichen Originalfassung.

In seinem einleitenden Aufsatz fasst Klaus Hardering die Restaurierungs- und Forschungsgeschichte zu dem einzigartigen Skulpturenzyklus zusammen; es folgt der Restaurierungsbericht von Georg Maul, unter dessen Leitung die letzte Restaurierung durchgeführt wurde.

Die Aufsätze von Esther von Plehwe-Leisen und Hans Leisen sowie Christoph Schaab, Norbert Nußbaum und Leonie Becks beschäftigen sich mit den Konsolen und Baldachinen der Figuren. Dabei gelingt es Schaab, eine Planänderung für die Baldachine nachzuweisen, bei der etliche bereits ausgeführte, sehr aufwändige Baldachine abgearbeitet und durch die heutigen Aufbauten mit den Engelfiguren ersetzt wurden. Nur ein Baldachin, der die Architektur der Trierer Liebfrauenkirche zitiert, blieb von der Umarbeitung weitgehend verschont. Nußbaum entschlüsselt anschaulich den baugeometrischen Entwurf der den Aufbauten zugrunde liegt, Becks zeigt ihre Parallelen in der Goldschmiedekunst auf.

Mit der farbigen Fassung der Chorpfeilerfiguren setzen sich die Aufsätze von Marc Peez und Barbara Beaucamp-Markowsky auseinander. Peez rekonsturiert den ursprünglichen mittelalterlichen Fassungsaufbau der Skulpturen, der – trotz der Genauigkeit mit der die Gewandmuster im 19. Jahrhundert kopiert wurden – etwa durch die Verwendung von silbernen Unterlagen sowie kostbaren Lüsterfarben und Lacken wesentlich aufwändiger und prachtvoller war als heute. Für die Muster kann Beaucamp-Markowsky etliche neue Vergleichsbeispiele in der Textilkunst des 13. Jahrhunderts nachweisen.

Die Texte von Robert Suckale, Peter Kurmann und Harald Wolter-von dem Knesebeck ordnen die Chorpfeilerfiguren in ihren kunsthistorischen Kontext ein. Robert Suckale kommt durch den Vergleich mit französischen Marmormadonnen zu einer deutlich späteren Datierung der Chorpfeilerfiguren als derjenigen, welche er selbst 1979/80 vorgeschlagen hatte. Er geht nun davon aus, dass sie nicht bereits im 13. Jahrhundert, sondern frühestens um 1322 entstanden sein dürften. Peter Kurmann beschreibt die Figuren in ihrem architektonischen Kontext. Wolter-von dem Knesebeck arbeitet heraus, wie im Kölner Dom das in den Apsiden vieler romanischer Bauten platzierte Wandmalereiprogramm angesichts der neuen architektonischen Struktur in Skulptur und Glasmalerei übersetzt wird.

Der Aufsatz von Lucia Mense behandelt die musizierenden Engel mit ihren für Musikalienforscher höchst aufschlussreichen Darstellungen von mittelalterlichen Musikinstrumenten. Philipp C. A. Klais berichtet über den Versuch, das Portativ in den Händen des Engels über dem Apostel Jakobus Minor zu rekonstruieren.

Auf den Festschriftteil folgt der jährliche Dombaubericht der ehemaligen Dombaumeisterin. Es schließen sich die Berichte zur Tätigkeit des Zentral-Dombau-Vereins und zu weiteren Ereignissen rund um den Kölner Dom an.

Matthias Deml, Dombauhütte

Dombaubericht 2012

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