Die Kölner Dombauhütte im Mittelalter

Der gotische Dom hatte bereits eine ganze Reihe bedeutender Vorgängerkirchen, an denen immer wieder reger Baubetrieb herrschte. Die eigentliche Geburtsstunde der Kölner Dombauhütte schlägt aber natürlich erst mit dem Baubeginn zur gotischen Kathedrale am 15. August 1248. Zunächst wurden Chorumgang und Kapellenkranz, anschließend der Obergaden des Binnenchores errichtet. Am 24. September 1322 konnte als ältester Bauteil des neuen Domes der Domchor eingeweiht werden. Anschließend begann man mit dem Bau von Querhaus, Langhaus und Türmen. Um 1520 brach die Finanzierung des Dombaues ein und der Bau am Dom wurde für mehr als 300 Jahre eingestellt. Zu diesem Zeitpunkt waren die meisten Bereiche von Lang- und Querhaus gerade bis auf Höhe der Pfeilerkapitelle aufgeführt und mit hölzernen Notdächern bedeckt. Der Südturm hatte etwa ein Drittel seiner heutigen Höhe erreicht. Er wurde von einem gigantischen hölzernen Baukran bekrönt, der jahrhundertelang das Wahrzeichen Kölns bleiben sollte.

Über die Kölner Dombauhütte im Mittelalter ist nur wenig bekannt. Das Archiv der Bauhütte wurde nach dem Einmarsch der französischen Revolutionstruppen 1794 in Kisten verpackt und nach Paris verbracht. Seitdem ist es verschollen. Nur einzelne Pläne, darunter der berühmte Fassadenriss F, tauchten in der Folgezeit wieder auf. Wenige Baurechnungen und andere den Dombau betreffende Quellen befinden sich im Historischen Archiv der Stadt Köln. Man ist bei der Erforschung der Geschichte des Kölner Dombaus daher im besonderen auf archäologische Funde und Befunde, Bauforschung sowie den Vergleich mit besser dokumentierten Großbaustellen des Mittelalters angewiesen.

tl_files/zdv/inhalte/historie/dombauhuette/dombau_im_mittelalter/Plan_F.jpgEin Bau wie der des Kölner Domes, der an die Grenzen des in seiner Zeit technisch Machbaren stieß, war immer auch ein Ort von Fortschritt und technischer Innovation. Bautechnische Probleme mussten gelöst, geeignete Baugeräte erfunden oder weiterentwickelt werden. Als Beispiel sei hier nur kurz an den Domkran erinnert, der eine der größten Maschinen seiner Zeit gewesen sein dürfte. Alleine der Transport des Baumaterials war eine logistische Leistung. Die Landwege waren viel zu schlecht, um auf ihnen schweres Baumaterial über lange Strecken herbeizuschaffen. Daher wurden Stein und Holz soweit wie möglich über die Flüsse verfrachtet. Der Rhein war in mittelalterlicher Zeit sozusagen die Autobahn Mitteleuropas.

Man kann heute kaum mehr ermessen, welch gewaltiger Wirtschaftsfaktor der Dombau in der mittelalterlichen Stadt mit etwa 30-40tausend Einwohnern war. Neben den Werkleuten in der Bauhütte und im Steinbruch am Drachenfels bei Bonn gab er über Generationen ungezählten Menschen Arbeit und Brot: Steinbrechern aus anderen Steinbrüchen, Holzfällern, Rheinschiffern und -flößern, Malern, Schildmalern, Bildschnitzern, Fassmalern, Glasmalern, Gold- und Silberschmieden, Glockengießern, letztlich aber auch den Hütten, die das für den Dombau notwendige Glas und Metall lieferten und vielen anderen mehr. Dazu kamen diejenigen, die für das liturgische Leben des Domes sorgten: Die Geistlichen von den Domkapitularen bis zu den Vikaren inklusive ihrer Hausgemeinschaften, die Sänger und Musikanten, Glöckner und Dombedienstete und schließlich die gesamte Stadt, die von den zahlreichen Pilgern profitierte, die in großen Scharen zu den Gebeinen der Heiligen Drei Könige kamen.

Bilder:

- Mittelalterlicher Domkran auf dem Südturm, Foto vom 29. Februar 1868, Th. Creifelds, Dombauarchiv Köln.
- Unvollendeter Dom innerhalb der Stadt, Ausschnitt aus dem Kölner Stadtplan von Gerhard Mercator, 1571.
- Riss F, Fassadenplan des Kölner Domes, um 1280/90, Köln, Dom, Johanneskapelle.

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