Spektakuläres Ende in Sicht
Die aufwendigen Restaurierungsarbeiten an dem gewaltigen, etwa 30 Meter hoch frei aufragenden Fialaufbau an der Nordwestecke des Nordturmes (F 1) konnten bereits im vergangenen Jahr abgeschlossen werden. Wegen des regnerischen und windigen Frühjahres sowie mehrerer pandemiebedingter Krankheitsfälle können die Gerüstbauer allerdings erst jetzt mit dem Rückbau des aus leichten Aluminium-Elementen zusammengesetzten Gerüstes beginnen. Dazu wird zunächst, wie bereits beim Aufbau des Gerüstes im Jahr 2012, die über der stark frequentierten Domplatte hängende Konstruktion mit einem hoch- und runterfahrbaren Sicherheitsnetz versehen. Anschließend wird das Hängegerüst bis auf die Grundkonstruktion der beiden großen seitlichen Gerüstpfeiler und der oberen Plattform zurückgebaut. Für die Arbeiten ist ein konstant warmes und windstilles Wetter notwendig. Sollte sich das Wetter in den kommenden Wochen und Monaten als ungünstig erweisen, könnte sich daher die Abnahme des Gerüstes in das kommende Jahr verschieben. Geplant aber ist die Abnahme für den Spätsommer bzw. Herbst.
Nach dem Rückbau einzelner Elemente haben die Gerüstpfeiler und die obere Plattform zusammen immer noch ein Gewicht von etwa zehn Tonnen. Da deren Abbau vor Ort einen unverhältnismäßig hohen zeitlichen und finanziellen Aufwand bedeuten würde, werden diese drei Bauteile mit Hilfe eines Schwerlastkrans in jeweils einem Stück vom Turm abgenommen. Vielleicht erinnert sich noch der eine oder andere an die Gerüstabnahme in 2013. Zwei Wochen lang lag das Gestell auf dem Bahnhofsvorplatz und wurde sukzessive von den Mitarbeitern der Dombauhütte zerlegt. So wird es auch dieses Mal sein, allerdings ist der „Liegeplatz“ dieses Mal auf dem Roncalliplatz.
Bei dem Gerüst handelt es sich um das dritte von vier für die Restaurierung des Nordturmes notwendigen Hängegerüsten. Jedes Gerüst kann nur zweimal genutzt werden. Nach 10 – 15 Jahren und dem erfolgten Abbau, kann das Gerüst nicht nochmals verwendet werden; die starken Belastungen fordern ihren Tribut.
Auslöser für den Beginn der notwendigen Arbeiten war ein Steinschlag, der sich während eines schweren Sturms am 24. November 1984 ereignete. Damals war ein 3,25 Meter hohes Element einer Nordturm-Fiale aus etwa 100 Metern Höhe abgestürzt und hatte schwere Schäden an den Seitenschiffdächern verursacht. Bei anschließenden Untersuchungen kam man zu dem Ergebnis, dass die Schadensursache in der Verwendung von Messing- und Eisenarmierungen während des Vollendungsbaues der Türme in den 1870er-Jahren lag. Während die Messingelemente oft gebrochen sind, führt die Oxidation des Eisens zu Rostsprengungen, die den ansonsten hervorragend erhaltenen Obernkirchener Sandstein zerstören. Die fraglichen Armierungen finden sich an den Fialaufbauten beider Türme ausschließlich in einem Bereich zwischen 80 und 100 Metern Höhe. Teilweise wurden hier bereits tonnenschwere Aufbauten durch den Rost um mehrere Millimeter angehoben.
In den vergangenen Jahren wurden daher, wie bereits zuvor an der Südwest- und der Südostecke des Turmes alle Anker und Dübel aus Messing und Eisen durch die Versetzsteinmetzen der Dombauhütte ausgebaut und durch neue, nicht rostende Elemente aus Edelstahl ersetzt. Die bei einem Sturm in den 1940er-Jahren abgebrochene Haube und Kreuzblume, die den Fialaufbau bekrönten, wurden wiederhergestellt. Etwa 50 weitere zerstörte Werkstücke wurden durch Kopien ersetzt oder durch passgenaue Vierungen (Teilergänzungen) ergänzt. Zumeist waren sie beim Absturz der Bekrönung mitgerissen worden. Zwei der vier aus Kalkstein gefertigten monumentalen Engelfiguren an der Turmecke waren so stark verwittert, dass sie ebenfalls durch Kopien ersetzt werden mussten; die beiden anderen konnten konserviert werden. Unzählige ausgewaschene Fugen im Mauerverband wurden geschlossen. Die erneuerten Werkstücke wurden über unser Patenprogramm finanziert. Vielen Dank allen Paten, die diese Restaurierung möglich gemacht haben.
Wer mehr zu den Arbeiten am Nordturm erfahren möchte, der schaue bitte in den Werkbericht von Dr. Albert Distelrath im Domblatt 2020, Seiten 78 – 95.
Übrigens: sobald der Zeitpunkt für den Abbau des Gerüstes feststeht, geben wir es auf unserer Homepage bekannt.
Matthias Deml, Dombauhütte Köln
Eindrücke von 2013
Sehen Sie hier die spektakulären Bilder von 2013:
Gerüstabbau Teil 1 (Blueline Studio Cologne)
Gerüstabbau Teil 2 (Blueline Studio Cologne)